Augmented World Expo 2014

“Make the world more inter­ac­tive” lautete das Motto der dies­jäh­rigen Augmented World Expo (AWE) im US-amerikanischen Santa Clara. Vor einem Jahr haben wir über Gesten­steue­rung und die Meta Space­glasses als Trends berichtet. Was ist daraus geworden und welche Trends sehen wir nach der Messe? Unsere Software-Entwicklerin Daniela Weber hat sich vor Ort für WE ARE AR umgesehen.

AUGMENTED REALITY IM ZEITALTER DES KONTEXTS

Eines vorweg: die Entwick­lung von Augmented Reality hin zu Lösungen für Unter­nehmen war auch auf der AWE erkennbar, wie schon im vergan­genen Jahr auf der InsideAR in München. Schließt sich jetzt der Kreis­lauf? Schließ­lich kommt AR aus der Indus­trie. Die Indus­trie sorgt defi­nitiv für ein Erwach­sen­werden und liefert damit wert­volle Erkennt­nisse für den Einsatz in Marke­ting, PR und Sales. Inter­es­sant dazu die Ansicht von Robert Scoble, der in seiner Keynote vom “Age of Context” sprach.

 

DIE TRENDS UNSERER TECHNOLOGIE-EXPERTIN

Daniela Weber ist Soft­ware Engi­neer und entwi­ckelt bei RE’FLEKT Augmented-Reality-Anwendungen. Für WE ARE AR hat sie sich auf der Augmented World Expo umge­schaut und verschie­dene Devices und Anwen­dungen getestet. Hier sind ihre Highlights.

1. Augmented Reality für Glasses

“Auf der AWE gab es eine immense Auswahl an Anbie­tern von Head-mounted Displays”, zeigt sich Daniela zunächst über­rascht. Die Hersteller verfolgen unter­schied­liche Ansätze. Einer­seits gibt es die Brillen wie die Google Glass, die ein kleines Sicht­feld haben, dafür aber auch alltags­taug­lich sind. Eine weitere See-through-Variante ist die Espon Moverio BT 200. Daniela hat sie auspro­biert, kam aber mit der Blick­rich­tung nicht zurecht: “Man muss sich stark auf den Bild­schirm konzen­trieren und bekommt seine Umge­bung nicht mehr mit, obwohl es eine See-through-Brille ist”. Das Ergebnis war schon nach kurzer Zeit die von VR-Brillen bekannte Motion Sickness.

Begeis­tert war Daniela von den Meta Space­glasses. Wir hatten schon häufiger über die Entwick­lung berichtet und dabei auch auf die starken Unter­schiede zwischen den Möglich­keiten im Produkt­video und den tatsäch­li­chen Funk­tionen hinge­wiesen. Die Space­glasses sind leicht abge­dun­kelt, ähnlich wie eine Sonne­brille. Die Brille ist größer und erscheint auf den ersten Blick wie eine VR-Brille. “Was mich beson­ders faszi­niert hat, ist die Gesten­steue­rung. Sehr natür­lich und intuitiv. Die Inhalte werden auf beiden Gläsern ange­zeigt und somit ist wesent­lich mehr erkennbar als auf klei­neren HMDs”.

2. Gestensteuerung

“Der Trend geht klar zu inter­ak­tiven Systemen. Ob bei den HMDs, bei Augmented Reality oder Digital Signage”, zeigt sich Daniela angetan von den Möglich­keiten, Inter­ak­tionen mit natür­li­chen Gesten auszu­lösen. Micro­soft hat auf der AWE sein Ripple vorge­stellt. Damit kann die Kinect 2 in Kombi­na­tion mit Projek­toren einge­setzt werden, womit ein neues Inter­ak­ti­ons­feld für den Benutzer entsteht. Micro­soft demons­triert das mit einer Projek­tion auf den Boden, bei der sich farbige Felder mit den Füßen auswählen lassen.

Daniela hat daneben auch Konzepte getestet, die mit der Leap Motion arbeiten. “Bei der Leap muss man sehr spezi­fi­sche Gesten lernen, um Anwen­dungen zu steuern. Das ist für mich im Gegen­satz zur Kinect eine Hürde”, beschreibt Daniela ihre Eindrücke. Die Gesten­steue­rung ist für sehr viele Menschen etwas komplett Neues, an das sie sich zuerst gewöhnen müssen. Dazu ist es sicher­lich hilf­reich, wenn Gesten genutzt werden, die wir aus dem Alltag kennen.

Metaio plant für die Zukunft, Inter­ak­tionen auf jedem Medium zu ermög­li­chen. Thermal Touch nutzt eine spezi­elle Kamera, mit der bei Berüh­rung entste­hende Wärme erkannt wird und in eine Inter­ak­tion auslöst. So könnten in der Zukunft beispiels­weise Archi­tek­tur­mo­delle oder auch Print­me­dien inter­aktiv zum Leben erweckt werden.

3. Einfache und automatisierte Erstellung von AR-Content

Die indi­vi­du­elle Program­mie­rung von Augmented-Reality-Applikation ist insbe­son­dere in der Indus­trie, wo auto­ma­ti­sierte Prozesse an der Tages­ord­nung sind, ein Hindernis für die Entwick­lung.  Daniela hat sich umge­schaut, wie es mit Soft­ware zur Content-Erstellung aussieht. “Die AWE hat gezeigt, dass die stan­dar­di­sierte und schnelle Content-Aufbereitung ein sehr wich­tiges Thema ist und stärker in den Fokus rückt”. Der Einzug von Indus­trie 4.0 und die Entwick­lung zur digi­talen Fabrik verlangen auch von AR eine effi­zi­ente und güns­tige Gestal­tung von Content.

Während Metaio seit einigen Jahren mit ihrem Creator eine Lösung für den Consumer-Bereich anbietet, entwi­ckeln Firmen wie Ngrain oder Merlin Lösungen für den Busi­ness­be­reich. Gemeinsam mit Bosch haben wir auf der AWE bereits Einblicke in die Entwick­lung unserer CAP-Plattform für Auto­mo­tive und Indus­trie gegeben. Damit wird eine weite­ge­hend auto­ma­ti­sierte Produk­tion von AR-Inhalten ermöglicht.

4. Real-Time Scanning

In unserem Beitrag zu den Top-Trends vor der Augmented World Expo war auch über Real-time-Scanning zu lesen. Diesen Trend hat Daniela bestä­tigt: “Neben der Inte­gra­tion von Face Tracking in bestehende Soft­ware Deve­lop­ment Kits ist es vor allem die Erken­nung der realen Umge­bung, an der entwi­ckelt wird. Der Benutzer scannt seine Umge­bung und erhält eine 3D-Map”. Seit die Objekt­er­ken­nung und das 3D-Tracking Einzug hielten, wird eifrig an Möglich­keiten gear­beitet, diese Tech­no­lo­gien zu verbes­sern, stabil zu halten und auch zu erweitern. 

“Viele kleine Firmen arbeiten an Lösungen, das war bereits im letzten Jahr zu erkennen”, schil­dert Daniela ihre Eindrücke zur Tracking-Technologie. “Die bekannten Anbieter wie Metaio und Vuforia arbeiten an Verbes­se­rungen ihrer SDKs. Gleich­zeitig gibt es eben Impulse von klei­neren, wie z.B. von AR Media”. Das Real-time-Scanning bekommt Auftrieb durch Projekte wie Googles Tango oder den Struc­ture Sensor von Occipital.

Und zum Abschluß, Daniela, die Frage was Du von der AWE mitge­nommen hast: “Man muss auf alle Fälle dort gewesen sein. So viele neue Sachen und die wich­tigen Anbieter sind da. Ich hatte die Möglich­keit viele Produkte zu testen und direkt mit den Entwick­lern zu sprechen”.

Nicht unter­schlagen wollen wir die Auggies – die Awards auf der AWE. In zehn unter­schied­li­chen Kate­go­rien gab es Preise für beson­dere Arbeiten.

 

WEITERFÜHRENDE LINKS

Augmented World Expo 2014 – Offi­zi­elle Seite

WE ARE AR verichtet: Augmented World Expo 2013

Top 5 Trends für Augmented Reality

Micro­soft Ripple

The Verge: The iPad-mounted struc­ture sensor

Bild­quellen: Kick­starter

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