Virtual Reality: Samsung Gear VR im Praxischeck

Das ist spitze! Ein völlig neues Erlebnis. Ich muss jetzt erstmal durch­atmen. Norma­ler­weise bin ich in unseren Posts sparsam mit Super­la­tiven. Die Gear VR von Samsung aller­dings  – entwi­ckelt von den VR-Experten Oculus – provo­ziert einfach Emotionen. Ich habe in den vergan­genen Wochen so einiges an Brillen auf dem Kopf gehabt. Kein Device hat mich so über­rascht wie die Gear VR. Das Chip-Magazin titelt: “Schärfer als die Rift”. Quantas verkündet, dass die Gear auf ausge­wählten Flügen zum Einsatz kommt.

Damit Ihr das besser einordnen könnt: die Oculus Rift erlebe ich seit mehr als einem Jahr regel­mäßig, sowohl als DK1 wie auch als DK2. Die Entwick­ler­ver­sion der Samsung Gear VR habe ich mitt­ler­weile auch ausgiebig getestet, bevor nun die Consumer-Version an der Reihe war. Zeiss VR One, Meta One und natür­lich die Google Glass sind weitere Kandi­daten in unserem Test-Repertoire. Was die Technik betrifft, habe ich mir Unter­stüt­zung bei unserem Software-Entwickler Jan Heitger geholt. 

DIE AUSSTATTUNG

Das Gehäuse in schwarz und weiß, die Abde­ckung an der Front bläu­lich trans­pa­rent. Zur Befes­ti­gung auf dem Kopf drei typi­sche Bänder. Befände sich keine Technik drin, könnte es auch eine Skibrille sein. Ähnlich mit Pols­tern zum Schutz des Gesichts ausge­stattet ist auch die Gear. Und das spürt man: deut­lich bequemer als andere Brillen. Im Vergleich zur Rift ist sie einfach ein fertiges Produkt. Nicht nur was Pass­form angeht sondern auch was die Verfüg­bar­keit betrifft. Für 199 Euro ist die Brille zu haben – natür­lich ohne Note 4. Und das Beste: die Gear VR hat keine Kabel, die einen an den Rechner ketten. Während ich durch die Anwen­dungen fliege und immer wieder darauf achte wie sich die Gear anfühlt, zeigt mein Kollege die Ausdauer eines echten Geeks: Jan gönnt sich einen kompletten Film und hat mitt­ler­weile wohl alle Demos durch­ge­spielt. “Natür­lich spürt man die Brille nach einer Stunde, aber es war für mich nicht unan­ge­nehm”, bestä­tigt Jan den guten Tragekomfort.

Jan Heitger mit Samsung Gear VR

An der Vorder­seite nimmt man die Abde­ckung ab und steckt das Galaxy Note 4 ein: auf der einen Seite kommt das Smart­phone in die Micro-USB-Verbindung, auf der anderen Seite wird es durch einen Raster fixiert und kann somit auch ohne Abde­ckung nicht mehr heraus­fallen – wie es noch in der Entwick­ler­ver­sion war. Auf der rechten Seite befindet sich das Touchpad, das auf Drücken und Wisch­gesten reagiert. Ein sepa­rater “Back-Button” hilft beim Navi­gieren in die obersten Menüeb­enen. Eine Micro SD-Karte mit 16 GB Spei­cher wird für die Gear-Anwendungen mitgeliefert.

BRILLE AUF UND LOS GEHTS

Und das geht schnell. Sobald das Note 4 in der Gear steckt, wird man aufge­for­dert die mitge­lie­ferte SD-Karte einzu­legen. Die “Oculus-App” instal­liert sich auto­ma­tisch und startet mit einem kleinen Tuto­rial. Die wich­tigsten Steu­er­gesten und schon geht es los: zuerst mit einem Flug über einen fremden Planeten bevor es wieder zurück auf die Erde in ein Zelt in der mongo­li­schen Steppe geht. Ein erster Ausblick auf das, was kommt. Der gemein­same Tee im mongo­li­schen Zelt zeigt, wo die Reise hingeht. Nimmt man die Gear ab, dann wird der Bild­schirm des Note schwarz und das Smart­phone geht in den Ruhe­modus. Das spart Energie und die wird reich­lich benötigt.

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Oben auf der Gear ist übri­gens ein kleines Rad ange­bracht mit dem man die Sehstärke korri­gieren kann. Das funk­tio­niert schon recht gut. Während ich mit anderen Brillen meist wie ein Maul­wurf agiere, sehe ich in der Gear durch die opti­sche Korrektur richtig gut. Also, es geht doch auch für die Bril­len­träger. Das wurde Zeit. Im Inneren der Gear befindet sich noch ein Nähe­rungs­sensor (Proxi­mity Sensor), der regis­triert, wenn man die Brille aufsetzt.

NOCH PLATZ IM OCULUS STORE

Natür­lich gibt es erst eine über­schau­bare Anzahl an Apps (alle Apps im Über­blick). Rund 30 Anwen­dungen sind im Oculus Store – viele davon sind Spie­le­demos. Es gibt aber auch schon eine kleine Auswahl an 360 Grad-Videos. In drei Kate­go­rien – Apps, Games und Expe­ri­ences – findet man die zwischen 50 und 300 MB großen Anwen­dungen. Wer eine neue App instal­lieren möchte, der kann das direkt von der Gear aus im Oculus Store oder auch vom Smart­phone aus. Die aktuell verfüg­baren Appli­ka­tionen sind kostenlos. Jan kennt sie alle. Zu jeder der Anwen­dungen kann mein Kollege etwas erzählen. “Die guten Apps zeigen schon jetzt, wie sich die Inter­ak­tion und Bewe­gung im virtu­ellen Raum anfühlt. Das ist eben nicht mehr nur die 2D-Ansicht wie auf dem Fern­seher, sondern die komplette Szene”, erklärt Jan die Vorzüge der virtu­ellen Realität mit einer mobilen Brille. Es gibt aber auch Kritik: schlechte Auflö­sung, 2D-Filme und Einbußen beim stereo­sko­pi­schen Eindruck. Hoffent­lich nimmt sich Oculus der Quali­täts­prü­fung im Store an, damit wir nicht mit 3D-Plagiaten über­schwemmt werden.

Oculus Store

Samsung hat bereits einen eigenen Store: Milk VR. Leider momentan nur in den USA verfügbar soll der Store der Koreaner künftig eine Auswahl an 360 Grad-Videos unter­schied­lichster Loca­tions bieten. Eine gute Idee. Die NBA in den Verei­nigten Staaten hat bereits einen Deal mit Samsung: es wird Videos für die Gear von NBA-Spielen geben. Das ist erst der Anfang. Sport­er­eig­nisse, Konzerte, Events und Doku­men­ta­tionen – dafür ist die Gear wie geschaffen.

Mein Favorit bei den Apps: Cirque du Soleil. Das ist einfach riesig. Man sitzt auf der Bühne, neben sich die Artisten. Die sitzen da nicht nur einfach sondern spre­chen mit mir. Ein Blick nach oben zeigt die Akro­ba­tik­künstler in ihrem Element. Einmal drehen und hinter uns bietet sich ein Blick auf die Zuschau­er­reihen. Das ist wirk­lich mitten­drin. Wow, das kann ich mir immer wieder gönnen.

Und Jan? Im Herzen ein Gamer, stimmt er für “Rocket Toss”. Eine kleine Demo, die zeigt, wie gut das Zusam­men­spiel von Steue­rung (per Touchpad und Kopf­be­we­gung), Tiefen­wahr­neh­mung und räum­li­chem Eindruck der Szene schon funktioniert.

GUT GEMACHT, SAMSUNG

“Die Bild­qua­lität der Gear ist besser als beim DK2 der Rift”, sagt Jan Heitger. Und der muss es wissen, war er doch einer der ersten, die in Deutsch­land mit der Rift expe­ri­men­tiert haben. Zwar fehlt der der Gear das “Posi­tional Tracking”, die Verfo­lung der Kopf­be­we­gung, dafür ist sie im Vergleich zu ihrer großen Schwester Rift mobil. Samsung hat mit der Koope­ra­tion mit Oculus einen stra­te­gisch sehr cleveren Zug gemacht. Die Oculus-Entwickler haben einfach einen Vorsprung, der sich in der Praxis im Vergleich zu anderen Brillen, wie z.B. der Zeiss VR One, zeigt. Jeder kann jetzt einfach sein Smart­phone nehmen und in die virtu­elle Welt eintau­chen. Unter­nehmen statten ihren Sales damit aus und Kunden buchen den nächsten Urlaub mit der Gear. Glück­wunsch, Samsung.

WEITERFÜHRENDE LINKS

Chip Online: Schärfer als die Rift

Mobiflip: Quantas und Samsung bringen die Gear VR ins Flugzeug

C’t Magazin: Alle Apps für die Gear VR im Überblick

PC Welt: Daten­brillen – der große Überblick

Bild­quellen: Chip Online, Quantas

4 thoughts on “Virtual Reality: Samsung Gear VR im Praxischeck”

  1. Hallo!

    Ich benutze die Brille seit viel­leicht zwei Wochen und kann die Erfah­rungen nur bestä­tigen. Die Spie­le­demos (beson­ders gelungen meiner Meinung nach das recht umfang­reiche Actionad­ven­ture Herobound) lassen erahnen, was in Zukunft bei Spielen alles möglich sein wird. Das gibt noch ein riesiger Markt, wobei Spiele wohl die Vorrei­ter­rolle über­nehmen werden. Neben tollen Spielen freue ich mich beson­ders auf virtu­elle Musee­ums­füh­rungen oder auf virtu­elle Rund­reisen in inter­es­santen Gegenden, die ich im ganzen Leben nicht besu­chen werde. (Denke da zB an Mount Everest).
    Dicker Minus­punkt: Die Bild­qua­liät ist nicht über­zeu­gend. Es zeigt sich ein deut­li­cher Flie­gen­git­ter­ef­fekt. Trotz der hohen Auflö­sung des Note4 – für VR ist sie immer noch zu gering. Bei Spielen stört mich das nicht so sehr, wohl aber bei Fotos und Filmen. Bis dieses Problem besei­tigt ist, werden wohl leider noch einige Entwick­lungs­jahre vergehen.

    Da ihr auch Erfah­rungen mit anderen VR-Brillen habt, würde mich ein Vergleich sehr inter­es­sieren. Vor allem die Zeiss erscheint mir interessant….

    Viele Grüße und weiterhin viel Spaß in anderen Welten!

    Jutta

    1. Hallo Jutta,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Hero Bound gehört bei uns auch zu den Favo­riten. Klar, die Spiele werden die Grund­lage schaffen. Aber bereits jetzt befassen sich viele mit Doku­men­ta­tionen, Live-Events etc. Ich sehe darin auch eine neue Form des Jour­na­lismus. Was die Grafik­leis­tung angeht: wenn man sieht, welchen Rechner man für aufwän­dige Grafiken bei der Rift braucht, dann ist das nach­voll­ziehbar. Es ist eben ein Mobil­te­lefon. Dennoch war ich für den ersten Wurf positiv überrascht.

      Zur Zeiss VR One kommt auch noch ein Bericht. So viel vorweg: die hat uns bisher eher enttäuscht. Kaum Anwen­dungen und die Perfor­mance lässt zu wünschen übrig. Zum jetzigen Zeit­punkt ist das m.E. kein Konkur­rent für die Gear VR. Wir arbeiten bereits an einem Paper mit mehreren Brillen. Wenn Du möch­test kannst Du mir Deine E-Mail-Adresse an ds@re-flekt.com schi­cken, dann halte ich Dich auf dem Laufenden.

      Viele Grüße,
      Dirk

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