Push Conference: Die User Experience der Zukunft

Mit dem Fahrrad zu einer inter­na­tio­nalen Konfe­renz – das ist mal was Neues!  Möglich macht es die Push Confe­rence 2014, die am 10. Und 11. Oktober in der alten Kongress­halle in München statt­fand. Rund 400 Teil­nehmer versam­melten sich für zwei Tage Konfe­renz – voll­ge­packt mit span­nenden und inspi­rie­renden Vorträgen und Gesprä­chen.  Mitten­drin: Mein Kollege Diego Montoya und ich.

Was ist die Push Confe­rence?  Das lässt nicht ganz leicht in Worte fassen. Schauen wir, was die Orga­ni­sa­toren selbst schreiben:

“Push confe­rence is a unique inspi­ring event for the inter­ac­tive profes­sional field. It unites the esta­blished UX/ UI scene with the poten­tial and skillset of a new gene­ra­tion of crea­tive coders and tech­no­lo­gists on two amazing days in Munich”

Dass das Programm allerlei inter­es­sante Vorträge versprach und dass die daraus resul­tie­rende Vorfreude beim teil­neh­menden RE’FLEKT- Team groß war sieht man wohl am besten in unseren grin­senden Gesichtern.

 

 

SIMPLE IST DIE USER EXPERIENCE VON HEUTE

Los ging es gleich zu Beginn mit einem der beein­dru­ckendsten Vorträge der ganzen Konfe­renz: Toby Ster­rett von Simple, einer auf mobile ausge­rich­teten Bank aus den USA. Sterett zeigte, wie man durch einen konse­quenten Fokus auf User Expe­ri­ence (UX) und die Bedürf­nisse des Endkunden auch auf einem gesät­tigten Markt wie dem Banken­sektor als Start Up erfolg­reich sein kann – auch wenn man eigent­lich keine Ahnung von Banken hat und bei Null anfängt. Oder eben gerade deswegen. Ich bin mir sicher, wäre Simple in Deutsch­land verfügbar, der halbe Saal hätte auf der Stelle ein Bank­konto bei ihm eröffnet. Was übri­gens inner­halb von drei Minuten von einem Mobil­te­lefon aus möglich ist.

 Push Conference Bild1

Doch das war bei weitem nicht der einzige inter­es­sante Vortrag. Razan Sadeq von Stylight, einem Online-Portal für Klei­dung, berich­tete was man als UX Rese­ar­cher von Sher­lock Holmes lernen kann. Der Free­lancer Markus Eckert sprach kurz­weilig und mit viel Verve über die Kunst der Inter­po­la­tion und wie maßge­fer­tigte Anima­tionen die Herzen der User höher schlagen lassen. Mike Tucker von der Design­schmiede Universal Ever­y­thing zeigte beein­dru­ckende, inter­ak­tive Visua­li­sie­rungen aus seiner Karriere (z.B. die App Poly­fauna für Radiohead) und berich­tete vom schmalen Grat zwischen Wirt­schaft­lich­keit und künst­le­ri­scher Entfal­tung. Oder um seine Worte zu gebrau­chen: wie man Crea­tive Coder sein kann ohne seine Seele zu verkaufen. Um die viel­schich­tigen Bezie­hungen zum Kunden – und ihren Paral­lelen zu Liebes­be­zie­hungen – ging es bei Gregor Hofbauer von der Wiener Agentur Strukt.

YOU, ME AND MY COMPUTER

Eines meiner persön­li­chen High­lights war Lauren McCar­thys Vortrag „You, me and my computer“. Auch hier ging es um Bezie­hungen, aller­dings eher um die der alltäg­li­chen und zwischen­mensch­li­chen Art. Sie stellte dem Publikum anhand provo­ka­tiver Projekte die Frage, wie Tech­no­logie unsere alltäg­li­chen Inter­ak­tion mitein­ander beein­flussen kann und soll. Fern­ge­steuert durch die Cloud Crowd beim Date oder via Sprach­ana­lyse beim Video Chat erin­nert werden nicht immer so viel von sich zu erzählen? Hier geht’s direkt zu Laurens Projekten. Mit feinem Sarkasmus nahm sie die gene­ri­schen Promo-Videos für Kick­starter und Apps auf die Schippe. Trotz allem Humor stellte sie mit jedem ihrer Projekte doch ernst­haft und aufrichtig die Frage, wie weit wollen wir gehen?

Wie weit wir gehen wollen fragte auch Dan Williams in seiner Sight­seeing Tour zu den Absur­di­täten der modernen Tech­no­lo­gie­welt: von Brute Force Design in China und durch Hacker verschwin­dende Schiff­s­con­tainer über Make up, das vor Gesichts­er­ken­nungs­al­go­rithmen schützt, hin zu den bomben­si­cheren Müll­ei­mern in der Innen­stadt von London. Die können zwar jeden Passanten anhand seines WiFi-Profils tracken, für die Aufnahme von Müll sind sie aber nur begrenzt geeignet. Auf die berech­tigte Frage aus dem Publikum: „This is amazing, but who the hell are you, why are you doing all of this“, antwor­tete Willimas mit briti­schem Under­state­ment: “Soft­ware Deve­l­oper. Sort Of”. Die meisten seiner Projekte seien nicht wirk­lich aufwändig, es würde sie nur keiner machen, bemerkte der Entwickler. Dabei sei es wichtig, die Auswir­kungen und Konse­quenzen immer unsicht­barer werdender Tech­no­logie ins Bewusst­sein all derer zu bringen, die keine Experten sind. Ein Robin Hood in der Währung des Informationszeitalters?

Push Conference Bild2

Was wäre in diesen Tagen eine Tech­no­lo­gie­kon­fe­renz ohne die Oculus Rift. Das wissen wir bei RE‘FLEKT natür­lich nur zu gut. Den Part des VR-Apostels wurde bei der Push Confe­rence von Josh Carpenter über­nommen – und wie er sie über­nahm. Nach bester Sillicon Valley-Manier predigte er den Gospel zu Virtual Reality vom Redner­pult und beschwor das urame­ri­ka­ni­sche Bild eines wilden VR-Westens: voller neuer Möglich­keiten, die entdeckt werden wollen. Carpenter, der bisher UX Lead bei Mozilla war, hat die Leitung eines Teams über­nommen, um VR in Mozillas Firefox Browser zu bringen. Exklusiv gewährte er die ersten Einblicke in seine Arbeit, die letzt­end­lich darauf abzielt, die alte Vision vom Internet als echten virtu­ellen Raum Wirk­lich­keit werden zu lassen. „It’s wild!“ – indeed Josh.

Die eigent­li­chen Head­liner der Push 2014 waren Ben Fry, der Mitbe­gründer der Program­mier­sprache Proces­sing und Gründer von Fathom, sowie drei Herren von Google Ventures mit ihrem Vortrag „Build for Speed“. Ben Fry zeigte, wie man mit Daten Geschichten erzählt – und das ist bei ihm wört­lich zu verstehen. Anstatt wie Bilder für das Story­tel­ling zu nutzen, stehen bei ihm inter­aktiv erleb­bare Daten im Mittel­punkt, die sich durch den Nutzer entde­cken lassen.

 

 

Nichts weniger als die Anlei­tung „How to Proto­type and Test Any Product in Five Days“ versprach der Talk von Daniel Burka, Braden Kowitz and John Zeratsky. Doch die drei wissen wovon sie spre­chen – regel­mäßig werden sie in Start-ups entsandt, in die Google Ventures inves­tiert. Dort absol­vieren sie Design Sprints: in einem kleinen Team drei Tage an neuen Ideen arbeiten. Einen Tag lang einen Proto­typen bauen und schließ­lich am letzten Tag Evalu­ie­rung durch User Tests betreiben. Durch diese extreme Version von kurzen Itera­ti­ons­zy­klen und früher Vali­die­rung neuer Ideen mittels Proto­typen, können Start-ups ihren Flexibilitäts- und Geschwin­dig­keits­vor­teil voll ausspielen. Auch inno­va­tive, aber mögli­cher­weise risi­ko­reiche, neue Wege können so mit wenig Aufwand evalu­iert werden.

PUSH CONFERENCE KOMMT AN

Eine Mischung aus Design-Code-Art, ganz zu der aktu­ellen Technologie-Ära passend, machte die Konfe­renz sehr viel­fältig und inter­es­sant. Ich glaube dass diese Mischung die Zukunft der Technik treibt. Für Diego Montoya, unseren Inter­ac­tive Media Experten bei der RE’FLEKT hat die Push bestä­tigt, wo die trei­benden Kräfte zu finden sind: „Im aktu­ellen Kontext kommen die Inno­va­tionen von den kleinen Agen­turen und Firmen, die dyna­misch, adaptiv und bereit sind, Risiko zu tragen“. Dem kann ich mich nur anschließen. Die Push trifft defi­nitiv den Nerv der Zeit und es spricht für die Inno­va­ti­ons­kraft der Tech-Szene in München, die solch eine Konfe­renz auf die Beine stellt. Auch an der Isar ist sind Themen wie der krea­tive und spie­le­ri­sche Umgang mit Tech­no­logie und UX ange­kommen, um einen zentralen Platz im Entwick­lungs­pro­zess neuer Tech­no­lo­gien einzu­nehmen. An dieser Stelle deshalb auch an großer Dank an das Team der Push Confe­rence – Chris­tian Perstl, Thomas Gläser, Markus Jarity und Philipp Sackl – für ihren Mut und ihr Engagement.

WEITERFÜHRENDE LINKS

Daniel Sproll – The Non-Linearity of Virtual Reality User Experience

Bild­quellen: Eigene, Push Conference

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2 thoughts on “Push Conference: Die User Experience der Zukunft”

  1. das klingt super, leider grad verpasst ! aber ich finde es toll und wichtig, das zukunfts­ori­en­tierte projekte geför­dert werden und aufmerk­sam­keit bekommen. am düssel­dorfer flug­hafen zeigt sich momentan ein projekt, was getestet wird –
    http://smart-magazine.com/space/go-fetch-the-car-ray/

    nur so kann der erfolg irgend­wann kommen und tech­no­lo­gien weiter­ent­wi­ckelt werden.
    und den dialog zwischen tech­ni­kern, desi­gner, entwick­lern findet man bestimmt auf solchen messen oder was meint ihr ?

    1. Absolut, Sandro. Tech­no­logie, Design und Devices wachsen immer stärker zusammen mit dem Ziel unseren Alltag zu erleich­tern. Gerade die Schnitt­stellen zwischen Mensch und Maschine sind dabei wichtig.

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