Mit der Google Glass im Alltag

Viel wird über Googles Daten­brille Glass speku­liert und disku­tiert. Wofür kann man sie nutzen? Wie reagiert die Öffent­lich­keit? In der vergan­genen Woche hatte ich die Gele­gen­heit, die Glass eine Woche lang ausgiebig zu testen. Der Bericht zeigt, wofür sie sich eignet und wie die Menschen in der Öffent­lich­keit darauf reagieren.

 

GOOGLE GLASS – LOS GEHT’S

Als ich am Montag ins Office kam, war das Inter­esse der Kollegen groß. Manche wollten die Daten­brille endlich mal selbst probieren, andere sind zöger­lich und fragten erst mal, was die Brille kann. Für den Test hatte ich die bekannte Version ohne Bril­len­ge­stell. Mitt­ler­weile hat Google eine Auswahl an verschie­denen Gestellen: modisch im Nerd-Look oder sport­lich für den Outdoor-Einsatz. Gerade mal 41 Gramm wiegt die Glass und das sorgt für ange­nehmes Tragen. Googles Daten­brille ist vorne mit einer Kamera und einem Prisma und an der Seite mit einem Touchpad und dem Knochem­laut­spre­cher ausgestattet.

Zuerst die myGlass-App auf dem Smart­phone instal­liert, dann die Glass mit WLAN ausge­stattet und per Blue­tooth mit dem Galaxy S4 verbunden. Im Glassware-Store, dem App-Store für die Google Glass, gibt es eine über­schau­bare Auswahl an Anwen­dungen. Neben Face­book und Twitter kann man sich News-Apps wie CNN oder Koch-Apps (kitchme) instal­lieren. Die Palette der Google-eigenen Anwen­dungen ist ebenso vorhanden: G+, Google Suche, Youtube. Ergänzt wird das Angebot um Outdoor-Anwendungen für Joggen oder Radfahren, Aufgaben-Apps wie Evenote und vielen weiteren Anwendungen.

Google Glass Dirk Schart im Office

Außerdem ist es auch möglich Apps von Dritt-Anbietern zu instal­lieren, die noch nicht im Glassware-Store sind. Der Blogger Iwan Uswak hat eine Seite mit den Google Glass-Apps, die ständig aktua­li­siert wird. Bei allem muss immer beachtet werden, dass sich die Glass noch im Entwick­lungs­status befindet. Ich habe mir eine bunte Mischung instal­liert, um die einzelnen Apps testen zu können.

 

“OK, GLASS. GET DIRECTION”

Das Menü der Daten­brille besteht haupt­säch­lich aus der Time­line mit den “Cards”, in der alle News sowie z.B. Twitter-Erwähnungen ange­zeigt werden. Das Haupt­menü – Ok, Glass – enthält die Befehle, um Fotos und Videos zu machen, zu tele­fo­nieren, zu navi­gieren oder beispiels­weise eine Notiz für Ever­note zu erstellen.Mit einer Finger­geste – vor und zurück – lässt sich einfach durch die Time­line navi­gieren. Ein Wisch nach unten und schon gelangt man eine Ebene zurück. Mit einem Fingertip auf das Touchpad werden die Menü­punkte ausge­wählt oder Fotos geschossen.

Was mir gleich auffällt: Nach Anwahl einer App in der Time­line – nehmen wir Twitter – würde ich gerne mit einer typi­schen Geste (oben, unten) durch meine Tweets navi­gieren. Das ging mehreren Kollegen so – völlig intuitiv. Das ist bislang aller­dings nicht vorge­sehen. Die Time­line der Glass zeigt nur neue Akti­vi­täten, wohl um die Über­sicht­lch­keit zu behalten. Ich würde mir auch eine hapti­sche Unter­stüt­zung zur Orien­tie­rung auf dem Touchpad selbst wünschen. Nicht immer hat Googles Brille auf meine Befehle reagiert. Ich war mir dann unsi­cher, ob es an unprä­zisen Gesten oder einfach am Beta-Status des Geräts lag.

Timeline_Cards1 

“Get direc­tion”, “Ok, Glass”. Mit der Sprache haperte es anfäng­lich. Lag es an meiner Aussprache oder musste die Glass mich erst kennen­lernen? Ich  gab sie dann einigen Kollegen, bei denen es zunächst nicht besser war. Nach zwei Tagen begann mich Google zu verstehen und ich konnte auch navi­gieren. Zwar besteht für die Glass die Welt erstmal aus den USA, aber ich konnte sie davon über­zeugen, dass München eine größere Stadt in Deutsch­land ist. Die Sprach­steue­rung hat Vor- und Nach­teile: Bedie­nung hands­free, dafür hört jeder mit. Hier wird bereits viel über das Thema “Privacy” diskutiert.

 Google Glass Navigation

IST DAS DIE GOOGLE GLASS?

“Ja, das ist sie”, musste ich immer wieder bestä­tigen. In der Öffent­lich­keit wird die Google Glass immer häufiger erkannt. Dabei muss man zwischen zwei Szena­rien unter­scheiden: Inter­esse oder Skespis. Vor allem in der U-Bahn spürte ich, wie mich die Augen der Fahr­gäste verfolgten. Was ging da in den Köpfen vor? Ich wurde ange­spro­chen, was ich über die Brille denke oder ob man sie mal aufziehen könne. Viele Menschen sind unsi­cher im Umgang. Macht der jetzt ein Bild von mir? Das geht uns doch allen so. Hält jemand ein Smart­phone in beiden Händen, dann signa­li­siert das eine Foto- oder Film­auf­nahme und ich kann entspre­chend reagieren. Wie aber zeigt mir die Google Glass, dass etwas aufge­nommen wird? Gar nicht.

Ob auf der Straße, in öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln, im Restau­rant oder auf der Messe: Ich hatte keine unan­ge­nehme Situa­tion, wie man sie teil­weise aus den USA hört. Niemand hat mich aufge­for­dert, die Brille abzu­nehmen. Das liegt viel­leicht auch daran, dass es noch wenige so “Spinner” wie mich gibt, die wie ein Alien durch München laufen.

 

WAS MIR GUT GEFALLEN HAT

  • Die Qual­tität der Sprach­aus­gabe des Knochen­laut­spre­chers ist hervor­ra­gend, ob bei Anrufen oder bei Videos
  • Videos lassen sich bequem schauen, ohne dass ich mein Smart­phone aus der Tasche nehmen muss
  • Fotos lassen sich schnell aufnehmen und über die sozialen Netz­werke teilen
  • Die Navi­ga­tion ist hands­free und sehr gut für Städte geeignet
  • Für Sport (Joggen, Radfahren, Skifahren, Wandern) lässt sich die Glass prima nutzen

 

WAS MIR NICHT GEFALLEN HAT

  • Das Auge schaut perma­nent nach oben, auch wenn die Glass ausge­schaltet ist: das ist für mich unnatürlich.
  • Die Akku­lauf­zeit lässt bei inten­siver Nutzung nach rund 1,5 Stunden nach
  • Es fehlt eine Orien­tie­rung auf dem Touchpad in hapti­scher Form
  • Mit fehlt eine weitere Navi­ga­ti­ons­ebene für mehr Infor­ma­tionen, insbe­son­dere bei Twitter und Evernote

 

WAS BRINGT GLASS FÜR AUGMENTED REALITY?

Diese Frage bekommen wir immer wieder gestellt – und haben auch bereits vor einem Jahr darüber berichtet. Gleich­zeitig wird in den Medien auch von der “AR-Brille” gespro­chen. Grund­sätz­lich kann die Glass Augmented Reality darstellen. Dabei sollte man bedenken, dass das Sicht­feld, das soge­nannte “Field-of-view”, sehr klein ist. Für die Einblen­dung von Zusatz­in­for­ma­tionen in Bild- oder Text­form, wie z.B. bei “AR Glass for Wiki­pedia” oder “Word­Lens” ist das ausrei­chend. Animierte 3D-Modelle, die sich per Inter­ak­tion steuern lassen, sind aber kaum erkennbar. Dafür gibt es Tablets, die machen das in der rich­tigen Größe, damit es auch visuell eine Wirkung hat. Google Glass wird keine Tablets ersetzen, aber wie alle Weara­bles ist es ein Device, das uns neue Möglich­keiten bietet. Wie bei jeder neuen Tech­no­logie müssen wir jetzt erstmal Erfah­rungen sammeln und auspro­bieren, was Sinn macht. Jedes dieser Geräte wird seinen Einsatz­zweck finden.

FAZIT

Für die erste Version ist die Google Glass schon sehr weit und funk­tio­niert erstaun­lich gut. Der Trage­kom­fort ist prima. Die Bedie­nung lässt sich noch verbes­sern und ausbauen. Wie gesagt: Beta-Phase. Für mich ein Gerät, dass ich defi­nitiv nutzen würde/werde. Nur möchte ich die Brille nicht perma­nent auf dem Kopf haben. 

 

WEITERFÜHRENDE LINKS

Die Welt – Wie gut funk­tio­niert Google Glass im Alltag?

Adweek – 72% of Ameri­cans Won’t Wear Google Glass Because of Privacy Worries

Google Glass – Augmented Reality oder nicht

Bild­quellen: Vita­flux, Eigene

4 thoughts on “Mit der Google Glass im Alltag”

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