Mit der digitalen Fabrik um die Welt

In der digi­talen Fabrik werden Menschen, Maschinen und Infor­ma­tionen vernetzt. Welches Poten­zial dahinter steckt ist heute noch nicht wirk­lich zu bezif­fern. Die Vorteile der Bereit­stel­lung an jedem Ort der Welt und die Möglich­keiten der kolla­bo­ra­tiven Arbeit geben einen Ausblick auf die vernetzte Industrie-Welt der Zukunft. 

Menschen planen Maschinen und ganze Anlagen, Computer berechnen Modelle, Sensoren erfassen Daten – überall auf der Welt. Das Internet und die Cloud sorgen dafür, dass wir Daten und Infor­ma­tionen teilen und gemeinsam daran arbeiten können. Die riesigen Daten­berge, die wir in Unter­nehmen ansam­meln, können mit Tech­no­lo­gien wie Augmented und Virtual Reality visua­li­siert werden. Dies erleich­tert die Zusam­men­ar­beit und redu­ziert Planungskosten.

KLICK IN DIE ZUKUNFT – DIE DIGITALE FABRIK VON AUDI

Wie kann Erick Lopez durch sein neues Werk laufen und die Planung kontrol­lieren, obwohl es noch gar nicht gebaut ist? Audi errichtet im 9.500 Kilo­meter entfernten San José in Mexiko ein neues Werk. In Ingol­stadt steht das Werk quasi schon, jetzt muss es nur noch nach Mexiko ausge­lie­fert werden. „Sehen Sie den großen Stahl­träger hinten links? Der steht im Weg, da kommt das Werk­zeug nicht vorbei“, erklärt Audi-Planer Lopez.

Audi Erick Lopez

Erleich­tert wird das inter­na­tio­nale Groß­pro­jekt durch 3D-Visualisierung und Virtual Reality. So können die Planer in Deutsch­land und Mexiko virtu­elle Rund­gänge durch die einzelnen Gebäude machen und beispiels­weise Kolli­si­ons­prü­fungen durch­führen. Diese Form der Visua­li­sie­rung kann entweder am Rechner per Maus­klick betrachtet werden oder per Daten­brille oder Cave in der virtu­ellen Realität. „Der Vorteil liegt auf der Hand. In 3D können die Planer Probleme schnell iden­ti­fi­zieren und beheben, noch bevor der Bau begonnen hat“, betont die Leiterin für Infor­ma­ti­ons­pro­zesse Ferti­gungs­vor­be­rei­tung, Merit­xell Vilanova.

Audi Meritxell Vilanova

Durch die Vernet­zung der Systeme und Daten in Ingol­stadt und San José haben die Planer alle wesent­li­chen Infor­ma­tionen auf Abruf. Unab­hängig von Arbeits­zeiten und immer dort, wo sie benö­tigt werden. „Durch unsere Systeme verknüpfen wir unsere eigenen Daten mit denen der Archi­tekten und Inge­nieure. Anlagen, Werk­zeuge, Schutz­zäune, Förder­bänder. Ich kann auf Knopf­druck erkennen, wie alles zusam­men­spielt“, beschreibt Merit­xell Vila­nova die Vorteile der digi­talen Vernetzung.

Damit die digi­tale Fabrik ihre volle Leis­tung entfalten kann, ist ordent­lich Rechen­power gefragt. 11.520 Rechen­kerne sind mitein­ander verknüpft und schießen die riesigen Daten­mengen mit 600-facher DSL-Geschwindigkeit per Glas­fa­ser­kabel über den großen Teich. Trotz der hohen tech­ni­schen Anfor­de­rungen zeigt sich Projekt­leiter Matthias Müller über­zeugt: „Während die Bauar­beiten in San José Chiapa noch in vollem Gange sind, können wir dank der Technik bereits einen Blick in die Zukunft werfen.“ Die digi­tale Fabrik ist bereits heute eine große Unter­stüt­zung in der Industrie.

EIN TRUMPF IM BLICK – ECHTZEIT-PLANUNG MIT AR

Das selbe Ziel, wie Audi bei seinem neuen Werk, verfolgt auch der Laser-Hersteller Trumpf aus Ditzingen: Die virtu­elle Planung in der realen Umge­bung. Die Mitar­beiter bei Trumpf haben eine Möglich­keit gesucht, unter­schied­liche Erwei­te­rungen an bestehenden Maschinen zu zeigen. Und zwar direkt beim Kunden, in dessen Produk­ti­ons­um­ge­bung. Voraus­set­zung dafür ist, dass die Anlagen maßstabs­ge­treu einge­blendet werden. „Der Kunde will sehen, ob die Anlagen in die bestehende Ferti­gungs­um­ge­bung einge­passt werden können. Und das System dafür muss einfach zu bedienen und mobil sein”, sagt Kai Thomas, Geschäfts­führer von RE’FLEKT.

 Trumpf Produktionsplanung mit RE´FLEKT-App

Trumpf hat dafür eine Augmented-Reality-App entwi­ckeln lassen. Damit können sich Mitar­beiter und Kunde jetzt die ausge­wählten Parts an der gewünschten Posi­tion in Origi­nal­größe einblenden lassen, wie die linke Abbil­dung zeigt. Dies geschieht, in dem sie ein handels­üb­li­ches iPad auf die markierte Posi­tion richten. Sobald die Kamera die Umge­bung erkennt, zeigt die App das Bauteil an der korrekten Posi­tion. Kunde und Trumpf-Mitarbeiter können schnell erkennen, ob ausrei­chend Versor­gungs­stränge vorhanden sind und wie die Anla­gener­wei­te­rung in die Produk­tion passt. Egal ob in Deutsch­land, Japan oder in den USA – die Planer profi­tieren von der Vernet­zung der Daten und der welt­weiten Verfügbarkeit.

„Mit der Echtzeit-Visualisierung von Augmented Reality erkennen wir Planungs­fehler in einem frühen Stadium und vermeiden unnö­tige Kosten”, erklärt Kai Thomas. Für die Umset­zung können vorhan­dene Konstruk­ti­ons­daten genutzt werden. Für die Visua­li­sie­rung mit Augmented Reality ist auch keine beson­dere Hard­ware erforderlich.

WEITERFÜHRENDE LINKS

Audi Blog – Digi­tales Werk

WiWo Online – Die Welt mit neuen Augen sehen

RE’FLEKT Case Story – Trumpf Produktions- und Anlagenplanung

Augmented Reality in der Industrie

Bild­quellen: Eigene, Audi (Lopez, Vila­nova, Roboter)

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