Google Glass - Augmented Reality oder nicht?

2012 erregten die „Google Glasses" bereits große Aufmerksamkeit. Korrekterweise muss man von Google „Glass" sprechen, da es sich bei der Technologie lediglich um ein Glas handelt, auf dem im Sichtfeld eines Auges digitale Informationen eingeblendet werden. Auch nach großen Veröffentlichungen der Google Mirror API (1), des Kernels (2), und mit dem Auslaufen der Bewerbungsphase für das Explorer Programm (3) reißen die Spekulationen nicht ab. Seit der Entdeckung des Kernel-Leaks durch Jay Freeman (4), ist von neuen Möglichkeiten die Rede, eigene Software direkt auf Google Glass laufen zu lassen, was im derzeitigen Stand der Mirror API nicht vorgesehen ist.

Google-Glasses

Seit "Project Glass" öffentlich wurde, nannte man die Technologie hauptsächlich im Zusammenhang mit Augmented Reality. Die aktuelle Version der Mirror API war für die Menschen, die sich durch Google Glass Fortschritte im Bereich Augmented Reality erhofften, eine Enttäuschung. Zurzeit schließt die API die Möglichkeit aus, Code direkt auf dem Glass auszuführen. Jeder Befehl an ein Google-Glass-Gerät muss per http-Request verschickt werden. Der durchschnittliche Antwort-Zeitraum der Brille liegt damit im Sekundenbereich, was Echtzeit-Tracking und 3D-Rendering - die wesentlichen Bestandteile von Augmented Reality - ausschließt. Das Ausnützen des Kernel-Leaks hat jedoch bereits gezeigt, wie einfach die softwaretechnischen Gegebenheiten ohne allzu hohen Aufwand geändert werden können. Es ist anzunehmen, dass Google auf lange Sicht auch Applikationen direkt auf der Hardware zulässt. Das Betriebssystem basiert auf Android, das bereits Funktionalität zur Installation und Ausführung von Apps implementiert.

Google Glasses -Möglichkeiten

Neben der Software bestehen natürlich auch Bedingungen an die Hardware, um Augmented Reality Anwendungen zu erstellen. Berechnungen zur Feature-Erkennung und die Darstellung von 3D-Inhalten benötigen leistungsstarke Prozessoren. Hier fehlen aussagekräftige Daten in der offiziellen Hardwarespezifikation (5) von Google. Einfache Anwendungen, wie die Anzeige zum nächsten Supermarkt, sind der Hardwarebeschreibung zufolge jedoch nur in Verbindung mit einem Smartphone möglich, da Google Glass weder eigene Lagesensoren noch einen GPS-Empfänger besitzt.

Alternative Augmented Reality Datenbrille von Sony

Auf mittlere Sicht ist Googles Datenbrille für Augmented-Reality-Anwendungen noch nicht geeignet. Die Fokussierung der Hardwareentwicklung zu leistungsstarken mobilen Geräten könnte hier in Zukunft den Durchbruch erzielen. So arbeiten Konkurrenten Medienberichten zufolge bereits an ähnlichen Produkten, wie beispielsweise Sonys Brille (6), deren Projektoren beide Brillengläser abdecken, und damit beide Augen mit virtuellen Informationen versorgt. Damit ist es möglich 3D-Objekte darzustellen. Derzeit bestehen vor allem noch zwei Probleme, die es zu lösen gilt: die kurze Akkulaufzeit bei hardwareintensiven Anwendungen und das Gewicht bzw. die Größe leistungsstarker Hardware.

Augmented Reality Datenbrille von Sony

Wir bleiben auf jeden Fall am Ball und halten euch auf dem Laufenden zum Thema Datenbrillen, und wann mit ersten wirklichen Augmented-Reality-Anwendungen gerechnet werden darf.

Update (27.08.2013):

Nach weiterer Recherche können wir ergänzen, dass Google Glass offensichtlich entgegen bisheriger Informationen einen Lagesensor enthält; wie auch im Kommentar von Mark Lenzen angemerkt. Hinweise darauf ergeben sich aus dem deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag zu Google Glass (7) und dem bereits im Kommentar genannten Link (8).

Alles Gute!

Jan

 

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