Die Leiden des QR-Code – Drei Tips zur Wiederbelebung

Veraltet, häss­lich, Einbahn­strasse – das ist nur eine Auswahl an Beschrei­bungen für den QR-Code. Der kleine, schwarze Marker muss einiges über sich ergehen lassen. Da stellt sich doch die Frage, ob das alles berech­tigt ist. Im Folgenden kurzen Über­blick möchte ich ein paar Ansichten darstellen und Beispiele zeigen, was man mit dem QR-Code alles machen kann. Über An- und Aussichten darf gerne disku­tiert werden. Gehört das zu Augmented Reality oder ist der QR-Code etwas anderes? 

Wir sind es gewohnt in Kate­go­rien zu denken und in solch eine muss der Code jetzt auch rein. Oder nicht? Viel­leicht kann man die einzelnen Kommunikations- und Marke­ting­in­stru­mente einfach ziel­ge­richtet verwenden und am besten mitein­ander verknüpfen. Dann kann jedes dieser Instru­mente seine Möglich­keiten entfalten. Verab­schieden müssen wir uns dabei von Eintei­lungen in Bereiche und Diszi­plinen. Das war gestern.

1. Der QR-Code ist veraltet und bringt nichts

Das hört man oft. QR-Codes werden in schön gestal­tete und profes­sio­nell umge­setzte Print­pro­dukte einge­bunden und die Unter­nehmen beschweren sich darüber, dass kaum jemand den Code abge­rufen hat. Und das obwohl das Marke­ting­team im Unter­nehmen so stolz war, dass sie eine derart fort­schritt­liche Tech­no­logie nutzen und damit schon kurz vor der Nomi­nie­rung zum „inno­va­tivsten Medi­en­kon­zept“ standen. Und die Agentur hat dies als Meilen­stein in der cross­me­dialen Kommu­ni­ka­tion mit Digi­tal­me­dien ange­priesen – gigan­ti­sche Conver­sion Rates inklu­sive. Was ist passiert? Der QR-Code ist neumo­di­scher Mist und die Kunden sind zu einfältig, um das Ding zu scannen. Man verzeihe mir an dieser Stelle meine über­spitzten Formulierungen.

Was meis­tens nichts bringt, ist wie Agen­turen und Unter­nehmen den Code einsetzen. Wer den QR-Code einfach neben einen Text in eine Image­bro­schüre druckt, darf nicht davon ausgehen, dass dies funk­tio­niert. Wer hat denn wirk­lich schon mal beob­achtet, dass am Bahnhof oder Flug­hafen jemand den Code an einem dieser vielen Plakate mit dem Smart­phone einliest? Warum macht das kaum einer?

Wenn ich am Bahnhof stehe und auf den Fahr­plan schaue, dann steige ich nicht in irgend­einen Zug, von dem ich nicht weiß wo er hinfährt. So ist es beim Code auch. In den meisten Fällen gibt es keinen Hinweis, was sich mit dem QR-Code verbindet. Keine beson­dere Aktion, kein Nutzen, kein Mehr­wert. Wer dann doch sein Smart­phone nimmt und die passende App ans Plakat hält, wird viel­fach enttäuscht mit der Weiter­lei­tung auf die Unter­neh­mens­web­site – natür­lich nicht opti­miert für mobile Geräte. Eigens gestal­tete Landing Pages sind häufig Fehlanzeige.

Der QR-Code lässt sich mit seinen Möglich­keiten nutzen und ist eine einfache und mitt­ler­weile viel genutzte Verlin­kung. Steven Schüller, Online Marke­ting Manager der Schweizer Airline SkyWork, verweist auf den hohen Wieder­erken­nungs­wert; insbe­son­dere bei Menschen, die nicht technik-affin sind. “Der QR-Code ist das einfachste Mittel, um Offline- und Online­welten mitein­ander zu verknüpfen”, so Schüller. Der Einstieg quasi, in eine erwei­terte Medi­en­welt. So lässt sich der QR-Code neben der Verlin­kung z.B. auch als perso­na­li­sierter Daten­spei­cher für verschie­dene Anwen­dungen nutzen. Damit entstehen völlig neue Einsatz­felder. Hierzu gibt es demnächst einen Post auf unserem Augmented-Reality-Blog “We Are AR”.

Die Fort­set­zung dazu heisst Augmented Reality. Wichtig bei beidem – QR-Code und AR – sind Erklä­rungen zur Anwen­dung und zu den erwei­terten Inhalten und Funk­tionen. Eine typi­sche Print­bro­schüre, in diesem Fall aus der Immo­bi­li­en­branche, zeigt eine sinn­volle Umset­zung. “Beim Einsatz von QR-Codes muss klar sein, was damit erreicht werden soll”, sagt Thomas Kosch­witz, Geschäfts­führer der für die grafi­sche Umset­zung verant­wort­li­chen Krea­ti­vagentur Thomas und ergänzt: “Es ist unsere Aufgabe dem Kunden die Möglich­keiten zu zeigen, aber auch darauf hinzu­weisen, dass dies ledig­lich ein Teil des ganzen Konzeptes ist”.

Expose RE´FLEKT Immobilien AR HHI

2. Der QR-Code ist hässlich und passt nicht ins Corporate Design

Schwarz-Weiß scheint wirk­lich alt zu wirken und hat auch wenig Esprit. Was den QR-Code aber auszeichnet ist der bereits genannte, hohe Wieder­erken­nungs­wert. Während bei AR viele mit den Schul­tern zucken, haben sie aber meist schon einen QR-Code gesehen. Und wer Krea­ti­vität und Ideen mitbringt, kann den Code ordent­lich tunen. Jan Heitger, Inter­ac­tive Media Specia­list bei RE´FLEKT, sieht eine große Band­breit an Möglich­keiten zur Verän­de­rung, ohne dass dabei die Lesbar­keit beein­träch­tigt wird. So kann der Code farb­lich ans eigene Corpo­rate Design und Layout der Medien ange­passt werden. Einige Beispiele dazu gibt es auf der Website von Set Japan (http://www.setjapan.com/portfolio_category/qrcodes/).

„Während diese Methoden nur die Fehler­to­le­ranz ausnutzen, wird beim nächsten Verfahren versucht die Codie­rung des QR-Codes auszu­nutzen, um das Bild darin unter­zu­bringen, ohne den codierten Inhalt zu gefährden“, erklärt Jan Heitger. Wie das aussieht zeigt der mit Foto gestal­tete QR-Code, der tatsäch­lich funk­tio­niert und zur Website von RE´FLEKT führt. Und falls sich jetzt jemand an meine Zeilen von weiter oben erin­nert und anmerkt, dass die Codes ja auch nur zur Website führen. Das stimmt. Hierbei stehen auch die Verän­de­rungen und Möglich­keiten der Codes im Vorder­grund und nicht die Landing Page selbst.

RE´FLEKT Patrick Guttner QR Code AR

Die Frage, mit welchen Bildern es am besten gehe, beant­wortet der Experte für AR und inter­ak­tive Medien mit: „Quadra­ti­sche, niedrig auflö­sende Schwarz-Weiß-Bilder funk­tio­nieren am besten“. Am Beispiel-Code sieht man, wie viel von einem Portraitfoto sichtbar bleibt ohne die Funk­tion zu beein­träch­tigen. Wer das gerne mal selbst auspro­bieren möchte kann auf der folgenden Seite seine QR-Codes erstellen (http://research.swtch.com/qr/draw).

3. Der QR-Code und seine Freunde

Wem das nicht reicht, der findet weitere Beispiele inter­es­santer Codes. Wie die Micro­soft Tags, die eine höhere Auflö­sung haben und Farb­in­for­ma­tionen nutzen. Der Tag auf der linken Seite zeigt eine Stan­dard­va­ri­ante. Rechts daneben eine indi­vi­dua­li­sierte Variante.

Microsoft Tags Standard Custom

Die Tags sind stärker indi­vi­dua­li­sierbar als der QR-Code, brau­chen dafür aller­dings einen beson­deren Reader und muss online sein, um die hinter­legten Infor­ma­tionen abrufen zu können. Der „normale“ QR-Code-Reader kann die Tags nicht lesen, da sie ledig­lich einen Iden­ti­fier für die Inhalte auf den Microsoft-Servern darstellen. Dafür stellt Micro­soft eine Soft­ware zur Verfü­gung und hat eigens ein SDK. Zusätz­lich gibt es zur Evalu­ie­rung Analyse-Tools – vergleichbar mit Google Analy­tics. Beson­ders inter­es­sant sind die Custom Marker, mit denen eigene Hinter­gründe verwendet werden können. Wie das aussieht zeigen die Beispiele auf der Microsoft-Seite: http://tag.microsoft.com/what-is-tag/custom-tags.aspx). Das folgende Video zeigt die viel­fäl­tigen Möglich­keiten der Micro­soft Tags.

RE´FLEKT-Media-Experte Jan Heitger meint: “Mich hat gewun­dert, dass mir solche Marker bisher so wenig begegnet sind. Die Möglich­keiten, die sich einem dabei bieten sind sehr inter­es­sant“. An Möglich­keiten mangelt es also nicht. Schon eher daran, diese auch ziel­ge­richtet und konzep­tio­nell anzu­wenden. Codes alleine machen noch keine Kampagne. Wer es versteht die Vorteile der einzelnen Medien und Tech­no­lo­gien zu nutzen, bekommt auch die entspre­chende Aufmerk­sam­keit. Denn die Krea­ti­vität sollte nicht nur beim Design des QR-Code beachtet werden, sondern insbe­son­dere bei den verknüpften Inhalten und beim ziel­ge­rich­teten Einsatz.

Der QR-Code ist also nicht tot – er leidet nur häufig unter seinen Anwen­dern. Und das schon seit fast 20 Jahren. Denn dieser kleine, schwarze Code wurde bereits 1994 von Denso Wave und in den Fabriken von Toyota entwi­ckelt. Macht Euch Gedanken, wenn ihr das nächste Mal einen Code einsetzt und lasst Euren Inspi­ra­tionen freien Lauf. Es lohnt sich.

Macht´s gut bis zum nächsten Post,

Dirk Schart

Weiterführende Links

Augmented Reality visua­li­siert Diagnose – Der QR-Code als perso­na­li­sierter Datenspeicher

Quellen
www.re-flekt.com, www.ka-thomas.de, www.microsoft.com

4 thoughts on “Die Leiden des QR-Code – Drei Tips zur Wiederbelebung”

  1. Sehr geehrter Herr Schart,

    vielen Dank für den Eintrag über QR-Codes. Leider bin ich am Ende des Arti­kels genauso schlau wie vorher. Erhofft hatte ich mir Ansätze wie Einbin­dung im Text oder der Grafik / des Bildes inner­halb der Anzeige, rich­tige Landing­pages die dem ganzen einen Mehr­wert geben und neue Tech­niken inner­halb des QR-Codes (zum Beispiel: verbes­serte Link-Erstellungen / Link-Einstellungen oder zusätz­liche Optionen die durch html5 Manage­ment des Links in Echt­zeit auf dem Handy aufge­rufen werden können und so weiter). Zwar zeigen Sie neue abge­wan­delte Formen des QR-Codes aber hierfür muss man neue Sachen instal­lieren die man meis­tens in dem Augen­blick in dem man den QR-Code sieht nicht parat hat.

    Wenn es neue Tech­niken gibt dann freue ich mich, wenn Sie diese nach­träg­lich zum Artikel veröf­fent­li­chen würden ansonsten ist der QR-Code weiterhin das was oben beschrieben steht. Eine Einbahnstraße.

    1. Guten Morgen Herr Pahnke,
      es freut mich, dass der QR-Code auf Inter­esse stösst. Der Post sollte eine Über­sicht über
      den Stand geben und auch etwas zur Nutzung anregen. Und wie von Ihnen erwähnt ein paar
      Alter­na­tiven zeigen – auch wenn es dazu anderer Soft­ware bedarf. 

      Wir machen weitere Posts zum QR-Code. Dabei lassen wir auch mal die Entwickler sprechen,
      um Ansätze zu zeigen. Ich hoffe, das auch für Sie etwas dabei sein wird. Anre­gungen sind
      immer erwünscht. Da ist mehr drin als Einbahnstraße.

      Viele Grüße
      Dirk Schart

  2. Hallo Dirk,

    danke für den Artikel. QR-Codes mag ich persön­lich sehr. Habe auch schon öfters von jungen leuten gesehen dass dieser genutzt wird. Vorall für Gewinn­spiele oder ähnliche kurz­wei­lige spielereien.
    Aber leider habe ich auch oft resso­nanz erfahren dass unsere Kunden über­rascht sind wie wenig das genutzt wird.
    Ich habe ein Lumia und benö­tige keine Extra­soft­ware andere Smart­phones benö­tigen oft Extra­soft­ware was eine Einstieghürde für nicht technik Peronen darstellt.

    liebe Grüße Adrian

    1. Hallo Adrian,
      da hat das Lumia wirk­lich einen Vorteil. Alle anderen Smart­phones brau­chen einen QR-Reader.
      Mitt­ler­weile gibt es eine Viel­zahl von QR-Umsetzungen, die entweder keinen Mehr­wert bringen
      oder umständ­lich sind in der Bedie­nung. Und dadurch verlieren die Menschen oft den Spaß daran
      und nutzen den Code nicht mehr. Wir hoffen, dass sich das ändern wird.

      Viele Grüße,
      Dirk

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