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Fünf Anwendungsfelder für Augmented Reality in Automotive

Wer nach Anwen­dungen für Augmented Reality sucht, findet diese häufig in Marke­ting und Vertrieb. In den vergan­genen Monaten rückte der Auto­mo­bils­sektor mit seinen vielen Facetten – zusam­men­ge­fasst unter dem Begriff Auto­mo­tive – stärker in den Fokus von AR. Hat die Auto­mo­bil­in­dus­trie neuer­dings Augmented Reality entdeckt? Ganz im Gegen­teil: AR gibt es im Automotive-Bereich schon seit vielen Jahren.

Die heiligen Hallen geben Einblicke in Augmented Reality

Während Marke­ting und Kommu­ni­ka­tion ihre Anwen­dungen veröf­fent­li­chen und sie zur Marken­kom­mu­ni­ka­tion nutzen, bleiben span­nende und inno­va­tive Anwen­dungen in der Auto­mo­bil­in­dus­trie viel­fach “unter Verschluß”. Die Auto­bauer und ihre Zulie­ferer wollen sich ihren Entwick­lungs­vor­sprung nicht nehmen lassen. Mitt­ler­weile öffnen sich die AR-Schatztruhen der Hersteller und bringen die Mehr­werte von AR ans Licht. Der starke tech­no­lo­gi­sche Back­ground und ausrei­chend Mittel zur Umset­zung bieten auch anderen Bran­chen die Gele­gen­heit, den Nutzen von AR zu erkennen. Wie in anderen Berei­chen – Plattform-Technologie, modu­lare Bauweise – hat die Auto­mo­bil­in­dus­trie auch bei Augmented Reality eine Vorrei­ter­rolle. Und das nicht nur in der Produk­tion, sondern auch bei Produkt­prä­sen­ta­tionen, wie das folgende Beispiel zeigt.

Was lässt sich mit AR machen?

Die Produk­tion ist präde­sti­niert für Tech­no­lo­gien wie Augmented oder Virtual Reality. An den Bändern ist viel auto­ma­ti­siert und wo Menschen­hand eingreift ist die den Umgang mit der Technik gewohnt. Der Engineering-Prozeß, von der Forschung bis zum Design, hat eine ebenso große Spiel­wiese. Daneben zeigt sich AR auch im Service, wenn es um Wartung und Repa­ratur geht und im Trai­ning für die Mitar­beiter. Die Marken­kom­mu­ni­ka­tion und der Vertrieb am Point-of-Sale oder auf Messen profi­tieren genauso von der visu­ellen Kommu­ni­ka­tion wie die Erwei­te­rung der viel­fäl­tigen Print-Broschüren, die beim poten­zi­ellen Käufer Emotionen schaffen sollen. Aus allen Berei­chen zeigen wir Beispiele für AR in den diversen Automotive-Disziplinen.

Engineering

Der Bereich Engi­nee­ring beinhaltet den Prozeß vom Entwurf, Modell­er­stel­lung, Mate­ri­al­aus­wahl bis hin zum Design und letzt­end­lich der Produk­tion. Augmented Reality bietet die Möglich­keit verschie­dene Formen, Designs, Farben und andere verän­der­bare Punkte darzu­stellen, ohne dass jeweils ein neues Modell ange­fer­tigt werden muss. Inge­nieure erhalten ein Tool zur Visua­li­sie­rung ihrer Entwick­lungen. Wie das folgende Beispiel von Mercedes Benz zeigt, kann ein real nicht vorhan­dener Motor virtuell in das vorhan­dene Chassis einge­passt werden. Damit können die Entwickler beispiels­weise simu­lieren, ob das geplante Aggregat mit seinen Anbau­teilen in den Motor­raum passt.

Engineering AR

Production

Einblicke in die Produk­tion bekommt, wer eine Führung macht. Hier werden Produk­ti­ons­schritte gezeigt, die allge­mein zugäng­lich sind. Die Entwick­lung und Produk­ti­ons­vor­be­rei­tung für neue Fahr­zeuge bleibt verständ­li­cher­weise verschlossen. Aus der Indus­trie­pro­duk­tion der Firma Kolbus können wir einen Blick auf den Einsatz von Augmented Reality werfen. Dieses Pilot­pro­jekt demons­triert die AR-Unterstützung in der manu­ellen Ferti­gung. Milli­me­ter­genau posi­tio­nierte Einblen­dungen zeigen dem Mitar­beiter die nächsten Arbeits­schritte und vermeiden fehler­hafte Plat­zie­rungen und damit unnö­tigen Ausschuss.

Neben der eigent­li­chen Produk­tion unter­stützt Augmented Reality auch die Produktions- und Anla­gen­pla­nung in der Auto­mo­bil­in­dus­trie. Maschinen lassen sich lage­ge­recht in die reale Umge­bung einblenden; Mate­ral­flüsse lassen sich simu­lieren. Der Laser-Hersteller und Automobil-Zulieferer Trumpf nutzt AR, um eine ressour­cen­scho­nende Anla­gen­pla­nung und effi­zi­ente Prozesse zu errei­chen (Abbil­dung unten).

Trumpf AR Loadmaster von RE´FLEKT

Service & Maintenance

Heutige Fahr­zeuge und ihre Technik sind äußerst komplex. Mitar­beiter benö­tigen neben tech­ni­schem Know-how eine Menge an Infor­ma­tionen für die verschie­denen Arbeits­schritte. AR kann helfen, die einzelnen Steps in eine inter­ak­tive Anlei­tung zu verwan­deln, um so dem Mitar­beiter die volle Konzen­tra­tion auf den eigent­li­chen Arbeits­schritt zu ermög­li­chen. Dadurch hat der Mitar­beiter jeder­zeit und am entspre­chenden Ort alle wich­tigen Infos parat und muss nicht erst in Manuals und Hand­bü­chern suchen und lesen. Volks­wagen hat für sein Konzept-Fahrzeug XL1 eine inter­ak­tive Repa­ra­tur­anlei­tung entwi­ckelt, die in der folgenden Abbil­dung darge­stellt wird.

VW MARTA

Training

Trai­ning umfasst einer­seits die Schu­lungs­maß­nahmen für Mitar­beiter beim Unter­nehmen selbst. Neue Mitar­beiter können auf visu­elle Weise schneller und mit größerer Aufmerk­sam­keit geschult werden; die Zeiten für Einlern-Maßnahmen verkürzen sich aufgrund der inter­ak­tiven Methoden mit AR. Auf der anderen Seite umfasst das Trai­ning auch die einfache und intui­tive Bedie­nungs­an­lei­tung für den Auto­be­sitzer und Fahrer. Wer will schon lange in der Bedie­nungs­an­lei­tung suchen, um Fehler oder Funk­tionen seines Autos zu iden­ti­fi­zieren. Auch hier schafft Augmented Reality eine schnelle Infor­ma­ti­ons­auf­nahme mit einer verständ­li­chen und animierten Bild-Erklärung. Das folgende BMW-Video ist zwar bereits von 2007, zeigt dafür sehr anschau­lich die Vorteile der Visua­li­sie­rung im Bereich der Mitar­bei­ter­schu­lung. Die mitt­ler­weile verfüg­bare Technik und insbe­son­dere die Entwick­lung bei Daten­brillen (u.a. Google Glass, Vuzix) wird den Schu­lungs­be­reich in ein neues Zeit­alter führen.

Brand Communication & Distribution

In der Marken­kom­mu­ni­ka­tion bietet sich gerade den Auto­mo­bil­her­stel­lern ein großes Spiel­feld. AR schafft Emotionen und versetzt Kunden in inter­ak­tive Erleb­nis­welten. Inter­aktiv? Der Kunde wird einge­bunden, er macht mit. In einer Konfigurator-App beispiels­weise (siehe Video RF Play­room) können verschie­dene Aktionen vom Benutzer ausge­wählt werden. Dies sorgt für größere Aufmerk­sam­keit und längere Verweil­dauer. Daneben bietet Projective-AR faszi­nie­rende Möglich­keiten für das Branding.

Die Möglich­keiten mit AR reichen von der Erwei­te­rung gedruckter Broschüren bis zu Produkt-Vorführungen auf Messen und Entwick­lung ganzer virtu­eller Auto­welten, die erkundet werden können. Das Beispiel von Toyota zeigt, wie sich die inter­ak­tive Präsen­ta­tion auf die Messe­be­su­cher auswirkt. Begeis­te­rung und Faszi­na­tion sorgen für ein Erlebnis auf dem Messestand.

 

Ausblick

Die Hersteller testen viel mit AR. Beispiels­weise Toyotas “Window to the World”, das den Mitfah­renden Infor­ma­tionen ins Fenster einblendet. Auch die Verbin­dung von Augmented und Virtual Reality nimmt an Fahrt auf. Dazu mehr im nächsten Post. Wer noch mehr Videos sehen will findet weitere AR-Beispiele auf AR4Automotive.

Dies sind nur einige Beispiele aus der Automotive-Welt. Wie eingangs erwähnt, gelangen viele Projekte nicht in die Öffent­lich­keit. In einem der nächsten Posts stellen wir das AR-Navigationssystem von Mercedes Benz vor. Dazu gibt es ein Inter­view mit Dr. Marc Necker von der Daimler AG.

Macht’s gut bis zum nächsten Post,

Dirk Schart

 

Weiterführende Links

AR4Automotive – Videos zu Augmented Reality in Automotive

Auto Bild – MARTA AR-Programm von Volkswagen

Hyper­raum TV – Augmented Reality in der Industrie

Bild­quellen

VW MARTA

Mercedes Benz Blog

RE’FLEKT GmbH

Golem