Augmented Reality in der Industrie

Einst von Boeing-Ingenieuren zur Unter­stüt­zung bei Kabel­ver­le­gungs­ar­beiten in Flug­zeugen entwi­ckelt, lässt sich AR heute in unter­schied­li­chen Berei­chen in der Indus­trie einsetzen: Beispiels­weise für die Produk­ti­ons­pla­nung, in der Instand­hal­tung, als digi­tales Hand­buch in Service und Wartung, in der Aus- und Weiter­bil­dung und im Marke­ting sowie auf Messen.

Wir stellen in diesem Beitrag verschie­dene Projekte von AR-Umsetzungen in der Indus­trie vor und beschreiben die Anfor­de­rungen bzw. Ziele der Unter­nehmen. Dabei geht es um Planung, Präsen­ta­tion und Infor­ma­tion von Indus­trie­un­ter­nehmen im B2B-Sektor und auf Messen. Im Zeit­alter von Indus­trie 4.0 wird Augmented Reality einen wesent­li­chen Beitrag zur Entwick­lung der digi­talen und vernetzten Fabrik liefern. Einen guten Einblick zeigt das RE’FLEKT Showreel mit Beispielen aus Indus­trie und Automotive.

AUGMENTED REALITY HILFT SPAREN

Augmented Reality kann jedes Print­pro­dukt mit digi­talem Content verknüpfen. Dies kann ein Messe­ka­talog oder einfach eine Kunden- oder Vertriebs­bro­schüre sein. Weitaus mehr Möglich­keiten bieten sich dort, wo häufig aufgrund von Platz­mangel die eigenen Produkte nicht voll­ständig gezeigt werden können – auf Messen und Veran­stal­tungen. Große Maschinen und Anlagen, oder der Blick ins innere von Teilen, wird durch die Visua­li­sie­rung mit AR möglich. Richtig einge­setzt, kann Augmented Reality Zeit und Geld sparen und sorgt für eine multi­sen­suale Kundenansprache

Ein weiterer Vorteil ist, dass Kunden und Messe­teil­nehmer neben der visu­ellen Darstel­lung auch einge­bunden werden. Die Inter­ak­tion ist einer der größten Mehr­werte, der Augmented Reality z.B. von Film und Video unter­scheidet. Posi­tionen und Farben verän­dern, ganze Anlagen neu posi­tio­nieren, Autos “röntgen” – AR versetzt die Teil­nehmer in Erleb­nis­welten und hat die Fähig­keit selbst hoch­kom­plexe Themen einfach und verständ­lich zu erklären.

  • Visua­li­sie­rung komplexer Arbeiten redu­ziert Stillstands- und Montagezeiten
  • Virtu­elle Werk­zeuge können in die reale Arbeits­um­ge­bung einge­blendet werden
  • Anwender können schwie­rige Arbeits­schritte mit gerin­gerer Fehler­quote ausführen
  • Rönt­gen­blick für nicht sicht­bare Bauteile und Baugruppen
  • Zeit- und Ressour­cen­er­sparnis durch virtu­elle Tests im Entwicklungsprozess
  • Präzise Darstel­lung von Arbeits­schritten in Form von digi­talen Manuals
  • Inter­ak­tive Produkt-Präsentation auf Messen oder am Point-of-Sale
  • Echtzeit-Informationen sind immer am Ort des Gesche­hens verfügbar

Die visu­ellen Einblen­dungen werden in Echt­zeit vorge­nommen und in die reale Umge­bung einge­bettet. Augmented Reality bietet kontext-sensitive Infor­ma­tionen. Dies bedeutet, dass genau das ange­zeigt wird, was passend zum Sach­ver­halt und zur Umge­bung erfor­der­lich ist. Beispiels­weise ein virtu­elles Werk­zeug an einer Maschine. Die folgenden Lösungen und Umset­zungen geben einen Über­blick, welche Einsatz­felder in der Indus­trie bestehen.

AUGMENTED REALITY IN DER INDUSTRIE

ANLAGEN- UND PRODUKTIONSPLANUNG MIT AR

Die Anfor­de­rung des Hochtechnologie-Unternehmens Trumpf bestand darin, ein Tool zu haben, um die Trumpf-Anlagen in den Maschi­nen­parks ihrer Kunden – also vor Ort – maßstabs­ge­treu zu visua­li­sieren. Die iPad-App ist aber nicht nur ein inno­va­tives Visualisierungs-Tool, sondern gibt Trumpf darüber­hinaus die Möglich­keit, mit dem Kunden beispiels­weise Mate­ri­al­flüsse zu über­prüfen und Work­flows sichtbar zu optimieren.

Trumpf AR Loadmaster von RE´FLEKT

Damit ist eine effek­ti­vere und präzi­sere Anla­gen­pla­nung möglich. Die Einblen­dung der Maschinen in die reale Umge­bung beim Kunden ist ein Zusatz­nutzen für Trumpf und eine Verein­fa­chung in der Planung für den jewei­ligen Kunden.

AUGMENTED REALITY IN INSTANDHALTUNG UND WARTUNG

Kurze Maschi­nen­still­stands­zeiten durch schnelle Wartung und Repa­ratur sind wichtig für Unter­nehmen. Immer komplexer werdende Anlagen und Repa­ra­turen verlangen hoch­qua­li­fi­zierte Mitar­beiter und schnell verfüg­bare Daten. Kann der eigene Tech­niker die Wartung oder Instand­hal­tung nicht selbst vornehmen, dann muss er auf teure externe Ressourcen zurück­greifen. Dies kann die Repa­ratur in die Länge ziehen, was Einfluss auf Produk­ti­ons­pro­zesse hat und weitere Kosten verur­sacht. Augmented Reality blendet dem Tech­niker die erfor­der­li­chen Werk­zeuge und Teile in die Arbeits­um­ge­bung ein – auf dem Display eines Tablets. Mussten die Mitar­beiter früher in endlosen Hand­bü­chern blät­tern, so können sie jetzt schnell am Ort des Gesche­hens ihre Arbeits­schritte ange­zeigt bekommen.

RE'FLEKT_CAP_Industry_Web

VISUALISIERUNG KOMPLEXER PRODUKTE

Um die in LKWs verbauten Kraft­stoff­tanks auf Messen zu präsen­tieren, musste SAG bisher ganze Fahr­zeuge als Ausstel­lungs­stücke vor Ort haben. Dementspre­chend groß mussten Ausstel­lungs­flä­chen konzi­piert sein, was hohe Kosten zur Folge hatte. Die Aufgabe war es, eine Augmented Reality-Applikation zu entwi­ckeln, welche eine mediale Visua­li­sie­rung der Produkte von SAG auf Messen ermöglicht.

SAG Produktvisualisierung interaktiv

Dafür wurde eine Appli­ka­tion für das iPad entwi­ckelt, die es den Messe­stand­be­su­chern ermög­licht, einen kompletten augmen­tierten LKW samt der von SAG produ­zierten Bauteile von allen Seiten anzu­sehen. Der Messe­be­su­cher kann durch die Inter­ak­tion mit dem LKW die einzelnen Teile trans­pa­rent schalten, um die Plat­zie­rung der von SAG produ­zierten Bauteile, sowie sämt­liche rele­vanten Produkt­in­for­ma­tionen zu erhalten. Für die Besu­cher am Stand war dies ein echtes Erlebnis anstatt der übli­chen Messe-Präsentationen. SAG kann mit dem AR-Tool Infor­ma­tionen auf eine völlig neue Art und Weise präsen­tieren und für Faszi­na­tion und Inter­ak­tion sorgen.

AUGMENTED REALITY MACHT MESSEN INTERAKTIV

Stand­be­su­cher können sich bei Talis, einem mittel­stän­di­schen Indus­trie­un­ter­nehmen der Wasser- und Versor­gungs­technik, via iPad virtuell durch ein Ring­kol­ben­ventil bewegen und den Erhard-Multamed-Schieber montieren. Auf diese Weise lassen sich ganz neue Perspek­tiven entde­cken und auch jene Teile betrachten, die auf normalem Wege nicht erreichbar wären. Über ein Menü können Besu­cher die verschie­denen Einsätze wie Schau­fel­kranz und Loch­zy­linder austau­schen und erleben die zuvor beschrie­bene Inter­ak­tion und ein neues Gefühl für Tech­no­logie. Mittels Apple-TV wird der iPad-Screen in Echt­zeit auf eine große LED-Wand über­tragen, sodass die Tour für alle Messe­be­su­cher gut sichtbar ist und als Blick­fang weitere Inter­es­senten zum Besuch des Talis-Messestandes animiert.

Talis Messe-App

VOM MESSEEINSATZ ZUM VERTRIEBSTOOL

Ein weiteres Beispiel ist die Darstel­lung hoch­prä­ziser Plane­ten­ge­triebe von Witten­stein alpha. Diese Idee wurde im ersten Schritt als Blick­fang für eine Messe umge­setzt und im Anschluß eben­falls als App für den Vertrieb umge­setzt. Der lang­fris­tige Nutzen für Witten­stein besteht darin die Fokus­pro­dukte immer dabei zu haben.

Wittenstein Planetengetriebe

AUGMENTED REALITY IM B2B-VERTRIEB

Mit der App „WMF Photo Simu“ können WMF-Kunden die WMF 8000 S Kaffee­ma­schine und deren Zusatz­ge­räte maßstabs­ge­recht an einem Standort ihrer Wahl platzieren.

WMF Photo Simu App

So erhalten die Inter­es­senten einen perfekten Eindruck, wie die Geräte in Ihren Räum­lich­keiten wirken, und ob die Maschine inklu­sive der gewünschten Zusatz­teile größen­tech­nisch an die jeweils ange­dachte Stelle passt. Die Zusatz­teile können von jedem Nutzer indi­vi­duell und optional durch Inter­ak­tion mit der Maschine ange­bracht werden. Zur Plat­zie­rung der Maschine wird ein Marker an der Wunsch­po­si­tion der Maschine posi­tio­niert. Während der Inter­ak­tion mit der Maschine kann eine Wunsch­kom­bi­na­tion zusam­men­ge­stellt werden.

FAZIT

Augmented Reality eignet sich bestens für visu­elle Planung, digi­tale Repa­ra­tur­anlei­tung sowie inter­ak­tive Präsen­ta­tion indus­tri­eller Produkte und Anlagen. Die Darstel­lung wich­tiger Infor­ma­tionen am Ort des Gesche­hens und immer mit Bezug zum Produkt oder Objekt sind entschei­dende Argu­mente für AR. Auf Messen und Veran­stal­tungen bietet sich den Unter­nehmen der Vorteil, ihren Besu­chern Einblicke in Bereiche zu geben, die norma­ler­weise in dieser Art nicht sichtbar wären. Dazu kommt, dass die Teil­nehmer nicht nur zuschauen, sondern tatsäch­lich betei­ligt sind. Einen inter­es­santen Einblick zu Augmented Reality in der Indus­trie gibt auch der Beitrag “Die Welt mit anderen Augen sehen” der Wirt­schafts­woche Online.

WEITERFÜHRENDE LINKS

Augmented Reality in Service und Maintenance

Google Glass in der vernetzten Industrie

CAP Auto­mo­tive: Augmented Reality in Serienreife

Augmented Reality im Vertrieb

Bild­quellen
Eigene Projekt­bilder