Augmented Reality im Vertrieb

Gast­bei­trag von Mark Weisbrod:

Zuerst war Augmented Reality der große Hype, dann kam der Punkt an dem die Tech­no­logie von vielen als „Marketing-Gimmick“ abge­stem­pelt wurde, und heute sind wir soweit, dass AR immer weiter in die komplexen Prozesse von Unter­nehmen aus den verschie­densten Bran­chen eindringt.

Verab­schieden wir uns von dem Gedanken, dass Augmented Reality eine eigen­stän­dige Tech­no­logie ist, welche zum Selbst­zweck einge­setzt wird. AR ist eine Tech­no­logie zur Visua­li­sie­rung und erleich­tert dem Menschen die Aufnahme von Infor­ma­tionen und das Verstehen von Sach­ver­halten. Die Begeis­te­rung, die nahezu alle Personen beim ersten Kontakt mit einer Augmented Reality Appli­ka­tion empfinden, eignet sich selbst­ver­ständ­lich hervor­ra­gend für die Vermark­tung von Produkten. Genau auf diesen WOW-Effekt konzen­trierte sich auch die erste und zweite Gene­ra­tion von AR-Apps.

Mehr und mehr muss nun aber das volle Poten­tial der Tech­no­logie ausge­schöpft werden. Hierzu reicht es nicht mehr ein 3D-Modell eines belie­bigen Produkts auf eine Broschüre oder in einem Magazin zu augmen­tieren. So wie uns einst im Biolo­gie­un­ter­richt Modelle des Körpers erleich­tert haben seine Funk­ti­ons­weise zu verstehen, so kann Augmented Reality alle verfüg­baren Infor­ma­tionen zu einem Gegen­stand trans­por­tieren, in einer Art und Weise, in der die Infor­ma­ti­ons­auf­nahme eher einem Spiel als einer Aufgabe gleicht.

Wie hilft das dem Vertrieb?

Egal ob Sport­schuh oder indus­tri­elles Bauteil, heut­zu­tage sind nahezu alle Produkte komplex und erklä­rungs­be­dürftig. Zudem stehen sie wie zum Beispiel in der Auto­mo­bil­in­dus­trie in einer Viel­zahl von Vari­anten zur Verfügung.

1. Reduktion der Zeit zur Informationsbeschaffung

Die Zeit, die der Anwender benö­tigt, um die gewünschten Infor­ma­tionen zu erhalten – Time-to-Content – kann mit einer AR-Anwendung mini­miert werden. So werden dem poten­ti­ellen Käufer rele­vante Infor­ma­tionen schnell und aufbe­reitet zur Verfü­gung gestellt. Je komplexer das Produkt ist, desto größer ist hier der Mehr­wert des Einsatzes von Augmented Reality.

2. Kombination von haptischem und digitalem Erlebnis

Anders als bei der reinen Betrach­tung eines Produkts oder der zuge­hö­rigen Broschüre ist das Erleben eines Produkts mittels AR von Inter­ak­tionen geprägt. Dabei werden verschie­dene Sinne des Betrach­ters ange­spro­chen, was zu einem beson­ders nach­hal­tigen Kommu­ni­ka­ti­ons­er­lebnis führt.

3. Das komplette Portfolio vor Ort

Vor allem dort wo Platz­mangel besteht, wie auf Fach­messen (unteres Bild), oder Produkte nicht physisch präsen­tiert werden können, wie z.B. Handels­reisen (oberes Bild), ist Augmented Reality die Tech­no­logie, welche es dem Vertrieb ermög­licht, das gesamte Produkt­port­folio des Unter­neh­mens immer dabei zu haben. Unter­nehmen wie SAG und Witten­stein setzen AR erfolg­reich zu diesem Zweck ein.

RE´FLEKT AR SAG

RE´FLEKT AR Wittenstein

4. Der Erklärungsprozess wird automatisiert

Viele Erklä­rungs­pro­zesse, für die bisher der persön­liche Kontakt zu einem Vertriebs­mit­ar­beiter notwendig war, können heute per AR auto­ma­ti­siert oder zumin­dest unter­stützt werden. Dies wird unter anderem durch die immer weiter fort­ge­schrit­tene Tracking­tech­no­logie ermög­licht, welche es zumin­dest in stati­schen Szena­rien ermög­licht, nahezu jedes Objekt zu erkennen und mit Zusatz­in­for­ma­tionen jegli­cher Art zu erweitern.

RE´FLEKT AR Grafik

5. Produktvisualisierung mit Mehrwert

In vielen Berei­chen ist es für den poten­ti­ellen Kunden inter­es­sant zu sehen, wie sich ein Produkt in sein Lebens­um­feld einpasst. Diese Appli­ka­tionen sollen aber nicht nur den Komfort für den Kunden erhöhen, viel­mehr stehen dahinter mitt­ler­weile harte Zahlen, welche den Erfolg des Einsatzes von Augmented Reality im Vertrieb demons­trieren. Mitsu­bishi Elec­tric, Cooling & Heating setzt ein solches Produkt­vi­sua­li­sie­rungs­tool erfolg­reich ein und erwartet sich hiervon ein Umsatz­wachstum von nicht weniger als 30 Millionen Dollar und einen einstel­ligen Millio­nen­be­trag an Einspa­rungen bei den Druckkosten.

6. Shopping everywhere

Die Möglich­keit ein Plakat oder eine Anzeige in einer Zeit­schrift per Smart­phone zu erkennen und das präsen­tierte Produkt mit nur einem Klick zu kaufen, stellt für Händler einen komplett neuen, von Impuls­käufen getrie­benen Vertriebs­kanal dar. Hinzu kommt, dass sich derar­tige Szena­rien mit vergleichbar wenig Aufwand umsetzen lassen. Umge­setzt wurde dies z.B. vom COVER-Magazin, welches neben den in Maga­zinen bekannten Erwei­te­rungen durch Videos, animierte 3D Modelle und Bilder eben genau diese Möglich­keit, ein vorge­stelltes Klei­dungs­stück direkt mit dem Smart­phone zu kaufen, bietet.

7. Heute die Produkte von morgen verkaufen

In vielen Bran­chen, wie der Immo­bi­li­en­branche, ist es üblich indi­vi­du­elle Produkte zu verkaufen, lange bevor diese fertig­ge­stellt wurden. Die Komple­xität z.B. eines Immo­bi­li­en­pro­jekts macht den Entschei­dungs­pro­zess kompli­ziert. Augmented Reality eignet sich hervor­ra­gend, um genau hier für Abhilfe zu sorgen. Das Produkt kann als 3D-Modell in Verkaufs­un­ter­lagen einge­bunden und um Erklä­rungs­vi­deos erwei­tert werden. Zudem können sämt­liche tech­ni­schen Features des Produkts anspre­chend und leicht­ver­ständ­lich erklärt werden.

Fazit

Neben den vielen Augmented Reality Marketing-Apps entstehen im Hinter­grund immer mehr Vertriebs­lö­sungen. Teils weniger spek­ta­kulär als ihre Pendants, aber hoch­ef­fi­zient und tech­no­lo­gisch anspruchs­voll leisten sie weit mehr als Kunden nur zu begeis­tern. Mehr und mehr Unter­nehmen setzen nun Augmented Reality ganz gezielt ein, um Vertriebs­pro­zesse zu unter­stützen. Die Erfolge die bereits erzielt wurden spre­chen für sich.

Viel­leicht lasst auch ihr euch demnächst von einer Augmented-Reeality-App ein Produkt erklären.

Mark

Weiterführende Links

Buch­tipp: Augmented Reality – Anett Mehler-Bicher, Michael Reiß, Lothar Steiger

Bild­quellen
RE´FLEKT GmbH